Viele Stimmen aus Politik, Wirtschaft und Teilen der Bürgerschaft fordern eine Südumgehung für Limburg auf der sogenannten Alttrasse. Hier beleuchten wir diese häufig vorgebrachten Argumente und zeigen, was tatsächlich hinter den Behauptungen steckt – basierend auf aktuellen Fakten und nachvollziehbaren Daten.
Behauptung: Eine Südumgehung würde den Verkehr deutlich aus der Innenstadt herausführen.
Faktenlage:
Die geplante Umgehung endet im Industriegebiet Diez und führt nicht zurück auf die A3. Dadurch bleibt der Verkehr aus Richtung Diez weiterhin über die Innenstadtstraßen (z. B. Diezer Straße) unterwegs.
Ein Verkehrsgutachten zeigt, dass die Entlastung der Diezer Straße bei etwa 15 % liegt – unter der Schwelle, ab der Verkehrsteilnehmende eine Verbesserung überhaupt spürbar wahrnehmen.
➡ Fazit: Die Südumgehung würde nicht den erhofften Verkehr aus der Stadt herausholen.
Behauptung: Ohne Südumgehung drohen Fahrverbote, weil Schadstoffe gefährlich hoch sind.
Faktenlage:
Seit Mitte 2021 werden die EU-Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NO₂) in Limburg an keiner Messstelle mehr überschritten.
Die Schadstoffbelastung geht laut Prognosen auch ohne neue Straße durch technische Verbesserungen (z. B. Emissionsreduktion bei Fahrzeugen) weiter zurück.
➡ Fazit: Ein drohendes Fahrverbot ist derzeit nicht plausibel; die Südumgehung ist dafür kein notwendiges Mittel.
Behauptung: Ohne Südumgehung könnten wichtige Einrichtungen wie das Krankenhaus schlecht erreichbar sein.
Faktenlage:
Lieferungen zu Krankenhausapotheken und Not-Versorgungen erfolgen überwiegend mit kleineren Fahrzeugen, die weiterhin problemlos unterwegs wären.
➡ Fazit: Die Versorgung kann auch ohne neue Umgehung aufrechterhalten werden.
Behauptung: Die Alttrasse sei seit langem als Verkehrsweg freigehalten.
Faktenlage:
Zwar wurde in den 1970er-Jahren ein Beschluss dazu gefasst, aber seither wurden entlang des Grüngürtels viele Häuser gebaut. Somit wäre eine neue Trasse heute ein massiver Eingriff in bestehende Quartiere.
➡ Fazit: Die ursprüngliche Idee einer „freien Trasse“ ist durch jahreliche Bebauung erheblich relativiert.
Behauptung: Ein langgezogener Tunnel würde die Südumgehung wirkungsvoll machen.
Faktenlage:
Im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) ist keine langgezogene Tunnelvariante bewertet – nur kurze Tunnelabschnitte werden genannt.
Ein längerer Tunnel würde Kosten explodieren lassen und ist daher für den Bund volkswirtschaftlich kaum tragbar.
➡ Fazit: Die oft zitierte Tunnelvariante ist derzeit kein fundiert geprüfter Lösungsweg.
Behauptung: Eine Südumgehung könnte Verkehrsprobleme sofort lösen.
Faktenlage:
Selbst bei politischer Zustimmung dauert die Planung und Umsetzung voraussichtlich 15–20 Jahre oder länger.
➡ Fazit: Die Südumgehung taugt nicht als zeitnahe Antwort auf aktuelle Verkehrsprobleme.
Viele der häufig angeführten Gründe pro Südumgehung halten einer nüchternen Überprüfung nicht stand. Entlastungseffekte sind gering, Schadstoffgrenzwerte werden bereits eingehalten, Versorgung bleibt gesichert und langfristige Planungszeiten begrenzen den Nutzen. Eine Südumgehung auf der Alttrasse löst die bestehenden Verkehrsprobleme nicht effektiv, ist teuer und greift stark in bestehende Siedlungs- und Grünflächen ein.
➡ In unserer Rubrik „Aktuelle/Presse" finden Sie ausführliche Gegen-Analysen zu aktuellen Flyern, Stellungnahmen und Planungsunterlagen.